Die wahren Krieger der Pflege!

Von Vincenza Marino und David Thiele

 

Der klare Blick hinter die Kulissen in der Pflege und des Pflegemanagement

Einen Einblick in den Tag als Einrichtung und Pflegedienstleitung, aber auch Pflegemitarbeiter in einem Pflegeheim macht sprachlos und leider in erheblichen Maße machtlos.

Wir (Leitungen) sind diejenigen, die den Mitarbeitern Vertrauen, Wertschätzung, Hoffnung und Empathie entgegenbringen müssen, wir sind Tröster, Psychologen, Psychiater, Manager, Retter, Durchsetzer, Zwinger, Bittsteller, Verteidiger, Informationsweitergeber …!

Doch auch wir können nichts bewegen, wenn das Personal in der Pflege fehlt.

Warum das Personal fehlt, liegt nicht ausschließlich daran, dass wir einen “Fachkräftemangel” haben, sondern daran das man es nicht schafft, den Pflegemenschen die gesellschaftliche Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdienen und sie gut zu behandeln. (siehe auch meinen Blogbeitrag dazu:

Was der Homo sapiens curae wirklich, wirklich braucht!

Genau diese fehlende gesellschaftliche Wertschätzung führt zu einer Abwanderung der Pflegemitarbeiter aus dem Beruf. Sie sorgt dafür, dass weniger und weniger junge Menschen sich für den Beruf entscheiden und damit nicht die in den nächsten Jahren in Rente gehenden Pflegemitarbeiter ersetzen können.

Warum bügeln alle auf die Pflege ein?

Fünf Akteure schlagen auf die Pflegemanager (Einrichtungsleitung, Pflegedienstleitung) und die Pflegemitarbeiter ein, die Pflegebedürftigen, die Angehörigen, die Gesellschaft, die Politik, die Geschäftsführung/Vorstand. Jeder fordert, jeder verlangt zu wenige verstehen, zu wenige sind bereit, zurückzustecken, zu selten reflektieren sich die Menschen selbst. Das Anspruchsdenken- und Verhalten hat so dermaßen überhandgenommen, dass ein normales Arbeiten kaum mehr möglich ist auf der einen Seite. Auf der anderen Seite haben die Gesellschaft und die einen und anderen Führungskräfte den Schuss nicht gehört. Der Markt hat sich schon längst von einem Nachfragemarkt zu einem Anbietermarkt gewandelt. Niemand muss mehr irgendetwas ertragen, erdulden oder mit sich machen lassen. Das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter steigt und das ist gut so!

Toyota-Prinzip in der Pflege

So ein Tag an der Basis (direkt auf Station direkt am Pflegebett) zeigt, was tatsächlich gebraucht wird, was dringend notwendig ist, um eine Pflegekatastrophe noch abwenden zu können.

So ein Tag (Monat) an der Basis muss die sofortige Grundvoraussetzung für alle entscheidenden Akteure sein. Akteure sind alle Prozessbeteiligten (Politik, Ministerialbeamte, Geschäftsführer). Verstehen Sie uns nicht falsch, grundsätzlich gehören nur ausgebildete Menschen in die Entscheidungsgremien und davon so viele wie möglich auch einschlägig ausgebildet (Pflege, Sozialwirtschaft). Diese zwei bis vier Wochen sind zur Auffrischung regelmäßig notwendig (einmal im Jahr).

Dadurch würden mehr Entscheidungen nachhaltig und strategisch sinnvoll getroffen. Davon sind wir die Autoren fest überzeugt.

Ein kleiner Einblick der wahren Krieger

Ein Tag an der Basis, dort wo gepflegt, geweint, gelacht und gestorben wird, prägt, erleuchtet, macht wütend und demütig.

Die Krieger sind diejenigen, die jeden Tag aufstehen und ihr Bestes geben, die jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. (Blogbeitrag von David Thiele die Möglichmacher, Link siehe unten)

Die all Ihre Kraft und Energie dafür geben, dass man den Tag in der Pflege irgendwie gewuppt bekommt. Doch zu welchem Preis geschieht dies?

Auch der stärkste bricht irgend wann einmal zusammen

Auch diese starken Menschen kommen irgendwann an Ihre Grenzen und Merken, egal wie viel Dienste ich schiebe, egal wie oft ich einspringe, es wird und wird sich nichts ändern. Die Frustration wird steigen und die einst motivierten Mitarbeiter werden die sein, die dem Gesundheitswesen den Rücken kehren. Weil man sie hat ausbrennen lassen, satt zu unterstützen.

Und damit meinen wir keine finanzielle Unterstützung für die Mitarbeiter. Denn dies ist nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein.

Es müssen sich die Rahmenbedingungen/ Arbeitsbedingungen endlich verändern, die Arbeitszeiten, die Work-Life-Balance oder auch Life-Balance muss beachtet werden. Der Personalschlüssel muss angepasst werden, und zwar realistisch angepasst werden. Das man keine Überlastungen der Mitarbeiter mehr hat. (Lesen Sie dazu den Blogbeitrag: Agenda)

Zudem brauchen diese Pflegemenschen die Wertschätzung, die sie auch verdienen, die sie in ihrem Tun bestätigt, unterstützt und respektiert.

Menschenunwürdige Zustände in der Pflege

Menschen, die diese menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zulassen, sind genau diese Menschen, die noch NIE an einem Bett gestanden haben, die noch NIE einen einzigen Tag in der Pflege gearbeitet haben, um zu wissen, was genau diese starken Krieger Tag für Tag durchmachen, die Tag für Tag mehr leisten, als sie eigentlich können. Nur um das Gesundheitswesen nicht komplett kollabieren zu lassen.

Wie kann es sein, dass es in einem so wichtigen Beruf der Gesellschaft so schlechte Bedingungen gibt, die diese Menschen einfach aushalten müssen? Und ja verdammt, Pflege kostet Geld, viel Geld und die Gesellschaft wird sie zahlen! Pflege/Gesundheitsversorgung ist neben Bildung/Schule die wichtigste Säule unserer Gesellschaft. Dafür haben wir die Sozialgesetzbücher, die einmalig auf der Welt sind. Leider sind die meisten der Sozialversicherungen Pleite und nachhaltig geschädigt.

Aber zurück zu dem Alltag der Krieger gegen einen übermächtigen Feind.

Weitere Erschwernisse im Alltag der Krieger

  • Testen, Quarantäne erleben ohne Kompensation des Gesetzgebers,
  • Dienstplan versuchen zu planen, ohne Mitarbeiter.
  • Dienste abzudecken, wo kaum noch einer da ist.
  • Maske tragen ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne evidenzbasierte Begründung.
  • Krankausfälle kompensieren, die aus Erschöpfung, aber auch aus Protest entstehen …
  • Von Angehörigen mit dem Anwalt gedroht bekommen, wenn man z. B. Wohnbereiche zusammenlegen muss wegen Personalmangel.
  • Hoffen das Zeitarbeit kompensieren kann, obwohl man weiß, dass das Problem ohne Zeitarbeit wahrscheinlich gar nicht erst so erheblich da wäre.
  • Die Heimaufsicht informieren darüber, dass die Not (Pflegepersonalmangel) da ist, die Katastrophe auch dank sinnbefreiten Infektionsschutzgesetzregelungen nicht mehr abzuwenden ist. Helfen kann jedoch auch die Heimaufsicht nicht.
  • Vollkommen erschöpfte Kollegen unterstützen/ motivieren (Prinzip Hoffnung), von stärken kann keine Rede mehr sein.

Das „Prinzip Hoffnung“ als einziger Energiespender

Durch all diese Hürden kämpfen sie sich durch, weil sie Hoffnung haben, Hoffnung das doch irgendwann sich was verändern wird. Das irgendwann die richtigen Weichen gestellt werden, dass die Gesellschaft die Verantwortung übernimmt, die auch Ihre Pflicht ist. Verantwortung für ihre eigenen pflegebedürftigen Angehörigen und die Menschen, die die Pflege durchführen. (Hinweis: mit der Hoffnung  und wofür sie auch missbraucht werden kann, setzen wir uns in einem gesonderten Blogbeitrag auseinander.)

Wieso schaffen wir es nicht, so einen eigentlich wundervollen und wichtigen Beruf, der so vielfältig ist, der einem so viel abverlangt, endlich angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen?

Die Pflege muss wach werden und aufstehen, sie muss laut werden, um gehört zu werden. Denn ohne die wahren Krieger wird es irgendwann keine Versorgung der Menschen mehr geben.

Wir sind viele und nur gemeinsam kann man versuchen, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen, in dem wir sagen STOP!

Zu guter Letzt möchten wir noch auf einen weiteren Blogbeitrag hinweisen, der immer und immer wieder diskutiert und für wichtig erachtet wird:

Ihr Möglichmacher seid der Grund!

Seid ganz herzlich gegrüßt!

Vincenza und David