Vom Idioten der Vergangenheit zum echten Helden der Zukunft!

Von David Thiele und Florian Müller

Beginnen möchten wir unseren heutigen Blogbeitrag mit einem Auszug aus dem Kommentar des Herrn Christoph Wiedemann vom 5. April 2020 im Bayreuther Tageblatt:
Krankenschwestern und -pfleger sind keine Helden – es sind Idioten: ein Kommentar

„Zwölf Stunden-Schichten, viel zu wenig Personal, unbezahlte Überstunden, Bereitschaft an Feiertagen und Wochenenden und dazu noch ein Hungerlohn. Das ist das Leben des Pflegepersonals in der Corona-Krise. Doch nicht nur da: Das ist ihr Alltag.
Und plötzlich werden Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte oder Rettungssanitäter als Helden bezeichnet. Plakate mit „Ihr seid unsere Helden“, Werbespots mit A- bis Z-Promis, die versichern, dass ihnen die Helden in Krankenhäusern und Pflegeheimen so viel bedeuten. Daneben gibt es natürlich auch Politiker, die erklären, dass es ohne diese Berufe ziemlich schwarz aussehen würde. Bei jedem Einzelnen könnte ich aus der Haut fahren…..“
(Quelle: https://www.bayreuther-tagblatt.de/krankenschwestern-und-pfleger-sind-keine-helden-es-sind-idioten-ein-kommentar/?fbclid=IwAR32ZEllXDUY71rpzbPwT1y35I1P8anjGejX3yBa4-sCsSZwk-iOlHL-HEI)

Und so sprechen wir nicht nur über Menschen, die zu völlig unterirdischen Löhnen und Gehältern und unmöglichen Arbeitsbedingungen unsere Familienmitglieder gepflegt haben und auch in Zukunft pflegen werden, sondern auch über vergessene (ignorierte) Helden. Warum ist das so? Weil die Bürgerinnen und Bürger, die sich für einen Job in der Pflege entscheiden, in der Regel eine sehr ausgeprägte soziale Kompetenz besitzen, die es der Gesellschaft leicht machen, diese über Gebühr auszunutzen. Nur in Pflegeberufen und Berufen mit hohem Hilfe- und Unterstützungspotential (betrifft u.a. auch die Polizistinnen und Polizisten) ist es in diesem Ausmaß möglich, in die Privatsphäre (Wochenenden, Feiertage, Urlaub) einzugreifen und dadurch die Life-Balance der Betroffenen massiv zu stören. In den vergangenen Jahren gab es stets nur vollkommen ungenügende Absichtserklärungen oder überhaupt keine Unterstützung. Weder aus der Gesellschaft noch von der Politik.
„Ein Volk, das seine Vergangenheit vergißt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
Pinchas Lapide
Wenn wir eines nicht wollen, die Gesellschaft nicht, die Politik nicht und die Pflegekräfte in unserem Land nicht, dann ist es, dass wir genau so weitermachen, wie wir zu Beginn der Krise aufgehört haben. Beginnen wir jetzt nicht, die Pflegesituation vor der Krise kritisch zu beleuchten, dann laufen wir Gefahr, die gleichen Fehler wieder zu begehen und damit auch noch den Rest der motovierten Mitarbeiter zu verlieren, die wir heute noch an vielen Stellen haben. (Lesen Sie dazu im Rückblick das sehr aktuelle Zitat einer Betriebsleitung in dem Blogbeitrag von David Thiele vom 30.03.2020: www.thieleberatung.de/blog)
Jedoch aufgepasst, geneigter LeserInnen, BürgerInnen und EntscheiderInnen: Auch nicht mehr anfangen wie aufgehört, besagt, nicht totreden, wegdiskutieren und am Ende mit dem Verweis auf die DSGVO, Gleichstellung und/oder Gerechtigkeit dankbar nichts tun. Nein! Den Schwung aus der Krise nutzen, um gemeinsam loszulegen und für so viele wie möglich, das Richtige zu tun.

Das Richtige? Nur “Wie”?

Das “Wie” kann man so beschreiben:
1. Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen an die jetzt neuen
Anforderungen der Gesellschaft und Pflege 4.0 (z.B. digitale Transformation, einheitliche Personalschlüssel etc.)
2. Mitarbeitermotivation –extrinsisch- kultivieren (sofort; z.B. Vergütungskonzepte mit leistungsorientierten Anteilen etc.)
3. Werte wiederentdecken und ausbauen (intrinsische Motivation; z.B. Empowermentansätze, echte Wertearbeit, Qualitätsmanagement aus Sicht aller Kunden)
4. schlanke und dienende Qualitätsmanagementsysteme, die sich an Wertschätzung/Vertrauen und Lean-Managementansätzen orientieren
5. konsequente Digitale Transformation (360° Prinzip)
6. aktive Kennzahlensysteme mit Prioritäten beginnend bei Prio. 1:
Motivatorische Kennzahlen (Sicht Mitarbeiter)
7. Nachbarschaftshilfe und Quartiersbezug entwickeln: Stichwort: Gemeindeschwesternprinzip=Buurtzorg))
9. Schaffen von Dienstleistungszentren (Hotspots=Dienstleistungszentren; siehe Klinikimmobilien etc.)

Fertig!
Etwas sollten wir auf jeden Fall richtig machen: aufhören zu klatschen und heute als Gesellschaft darüber nachdenken, wie diese plötzliche Akzeptanz und der zum Teil ehrliche Respekt vor der Arbeit, Pflege [hier würde ich das Wort „Arbeit wegnehmen“ oder schreiben „Arbeit in der Pflege“], so kanalisiert werden kann, dass er die Krise überdauert. Diese positive Energie dient dafür, das Berufsbild bzw. diese Arbeit so in der Gesellschaft zu platzieren, dass Sie wertgeschätzt wird und nicht nur als notwendiges Übel Betrachtung findet.

Diese Krise zeigt uns eines mit sehr großer Deutlichkeit:
Die Pflege ist erwachsen geworden!
Falls sie es nicht schon immer war. Und sie sollte endlich auch so behandelt werden!
Die Situationen wie sie heute der Öffentlichkeit bekannt, oder vielleicht auch erstmalig bewusstwerden, sind keine Ausnahmezustände für uns Pflegekräfte. Sie sind Alltag. Sie sind Alltag seit Jahrzehnten.
Nur hat, oder wollte, die breite Öffentlichkeit und auch Entscheider das gar nicht wahrnehmen. Im Gegenteil wurden durch drakonische Maßnahmen, übermäßige Kontrollen, erzwungene Korsetts und nicht zu erfüllende Vorgaben die Möglichkeiten einer freien, bewohnerzentrierten Pflege nahezu eliminiert.
Was wir nun sehen, in diesen Zeiten, ist eine von staatlicher Bevormundung weitgehend befreite Pflege. Es werden keine Kontrollen durchgeführt, Einstufungen der Bewohner werden per Telefon nach Aktenlage durchgeführt unter erheblicher Beachtung der pflegefachlichen Aussage, Personaluntergrenzen wurden ausgesetzt, das Arbeitszeitgesetz nahezu außer Kraft gesetzt. Aber nicht etwa mit konkreten Handlungsleitlinien für den Personaleinsatz, die sucht man vergebens. Sondern mit dem Hinweis: regelt euer Zeug allein!
Und siehe da, niemand hätte es erwartet: es funktioniert! Aller Orten finden sich neue Teams, alte Teams raufen sich zusammen und zeigen eine neue, schon lange verloren geglaubte Stärke. Es wird zusammen gehalten zwischen Führungskräften und Pflegekräften. Alle haben genau EIN Ziel, genau eine Vision: UNS SCHAFFT DIESE KRISE NICHT! Und genau das erkennen wir, auch in den Einrichtungen von we:care, und in den anderen zu denen wir Kontakt habe. Wir sehen diese Pflegekräfte nicht, die klein beigeben, die aufgeben, die ihren Kopf in den Sand stecken. Nein! Pflegekräfte informieren sich selbst über die gesetzlichen Rahmenbedingungen, schaffen Möglichkeiten, arbeiten zu kommen, KÄMPFEN zu kommen!
Und sie, wir, tun dies eben nicht, weil es uns jemand vorschreibt, weil wir in ängstlicher Erwartung einer Prüfung sind. Wir tun dies, weil wir es wollen. Und wir wollen es, weil es das Richtige ist!
DAS ist die Lektion in dieser Krise. Die Pflege als Gesamtheit KANN das Richtige tun, und WILL das Richtige tun.
Was wir jetzt brauchen, sind die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Zeit nach der Krise, dass dieser so erfolgreich begonnene Weg weitergeführt werden kann. In einer Zeit nach der Pandemie. In einer Zeit, in der die Ruhe herrscht und der Fokus auf die Erarbeitung einer neuen Struktur gelegt werden kann.
Denn das haben wir jetzt schon bewiesen:
Pflege ist mündig! WIR sind mündig.
Wir kriegen das hin!

Herzliche Grüße und bleiben Sie Gesund!
Ihr
David Thiele von der ThieleBeratung
und
Florian Müller von we:care

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