Pflege 4.0 beginnt jetzt!

Wie wir Werte als neue Qualitätsrichtlinien verankern.
Von Sebastian Schmidt und David Thiele

Corona prägt das Jahr 2020 wie sonst nichts anderes. Die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, unser Zusammenleben und unsere Wertesysteme werden uns noch lange darüber hinaus prägen und beschäftigen. Jetzt wird sich zeigen, wohin die Reise für uns als Gesellschaft geht. Insbesondere die Pflege gerät dabei endlich in den Fokus unserer Aufmerksamkeit und zeigt auf, was schon lange einer dringenden Korrektur bedurfte: Die Schaffung von angemessenen Arbeitsbedingungen mit fairen Löhnen und weniger Bürokratie. Forderungen, die längst nicht neu sind und die jetzt vielleicht endlich die Chance zur dauerhaften Veränderung bieten.

Wir erleben, wie Kontrollregeln in der Pflege gelockert, Qualitätsrichtlinien vorübergehend außer Kraft gesetzt werden. Bei allen wachsamen und kritischen Blicken, die hier sicher angebracht und notwendig sind, bietet aber genau diese Lockerung auch die Möglichkeit zum Wandel. Wie lange schon beklagen sich Pflegekräfte bereits über die immer weiter zunehmende Dokumentation ihrer Arbeit, die sie von ihrer eigentlichen Passion – dem Dienst am Menschen – abhält. Die Qualitätsstandards nehmen von Jahr zu Jahr zu, verlieren dabei jedoch das eigentliche Ziel der Pflege auch zunehmend aus den Augen.

Durch Corona erleben wir, wie Pflegekräften genau diese ohnehin obsolete Bürde der Bürokratie zu einem Großteil genommen wird. Und wie damit potentieller Raum für die eigentliche Arbeit am Patienten frei wird. Wir sagen vorsichtig „potentiell“, denn natürlich sind die momentanen Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte alles andere als selbstbestimmt. Dennoch: Wenn wir in Zeiten wie diesen ohne übertrieben aufgeblasene Qualitätsstandards auskommen können – warum dann nicht auch nach Corona? Und wenn diese Qualitätskriterien wegfallen, welche neuen Ideen kann man ansetzen? Die Antwort lautet: Wertebasierte Unternehmensführung.

Es braucht mehr denn je und genau jetzt neue Schwerpunkte bei den Qualitätskriterien. Pflege 4.0. beginnt jetzt!

Wer sich schon einmal mit der Theorie der zyklischen Wirtschaftsentwicklung nach Nikolai Kondratjew beschäftigt hat, wird feststellen, dass wir unmittelbar vor dem Beginn eines neuen Wirtschaftszyklus stehen – auch, wenn es sich momentan (noch) nicht danach anfühlt. Einige Experten mutmaßen, dass die neuen Innovationen zukünftig aufstrebender Wirtschaftszweige im Bereich des Gesundheitswesens liegen werden. Und hier vor allem im Bereich der psychosozialen Gesundheit. Was für eine Chance! Zumal unser Arbeitsminister, Hubertus Heil, erst kürzlich betont hat, dass die eigentlichen Leistungsträger unserer Gesellschaft weder Anzug noch Krawatte tragen. Die Helden von Corona sind vor allem die Pflegekräfte. Und das muss jetzt endlich gesehen werden und Konsequenzen haben.

Wir sollten uns also damit beschäftigen, welche neuen (Werte-)Qualitätskriterien wir in der Pflege ansetzen – und natürlich auch, wie wir diese messen können. Es wird neue Tools zur Evaluierung geben müssen. Einfachere und effektivere. Etwa auf das Unternehmen angepasste Online-Umfragen, motivatorische Kennzahlen (etwa die Verweildauer der Mitarbeiter in der Einrichtung, Arbeitsunfähigkeitsquoten, Fluktuationsquoten, Bewerberquoten etc.). Weiterführend betrachtet sind anonyme Mitarbeiterbefragungen an zentraler Stelle zuverlässiger und zielführender. Sie sind unternehmensübergreifend, anonym, benchmarkfähig und klar zuzuordnen. So könnte eine zentral initiierte, geleitete und begleitete Befragung zum Beispiel jährlich durchgeführt werden. Und sie würde von dem Vertrauen leben, dass die Ergebnisse und Kommentare auch wirklich zu einem Feedback und einer Reaktion führen.

Wenn wir wollen, dass aus kurzzeitigen Solidargemeinschaften nachhaltiges Gemeinschaftsgefühl entsteht, müssen wir alle jetzt umdenken. Zumal sich gerade derzeit doch die wahren Wertesysteme von Arbeitgebern so deutlich offenbaren wie nie zuvor (siehe Stopp der Mietzahlungen von Adidas, Karstadt etc.).

Jetzt ist die Zeit, auf unternehmerischer und politischer Ebene neue Lösungen zu entwickeln und umzudenken. Und damit der Pflege endlich die Wertschätzung und neue Kriterien entgegenzubringen, die sie längst verdient haben. Diese jetzt einmalige Situation bietet auch eine ebenso einmalige Chance. Dabei geht es weniger um ultimative Lösungen als vielmehr um den Anstoß zu einer längst fälligen Debatte zur aktiven Neugestaltung der (Pflege-) Zukunft.

Lassen Sie uns miteinander neue Lösungen entwickeln. Wir freuen uns auf einen regen Austausch und einen produktiven Diskurs dazu.

Ihr
Sebastian Schmidt & David Thiele

info@thieleberatung.de
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www.burn-in-coaching.de
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David Thiele Sebastian Schmidt

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