Die Kunst des Nein-Sagens

Von David Thiele

 

Der Alltag wird immer stressiger. Die Aufgaben-Berge stapeln sich. Die Überstunden häufen sich.
Der eine Kollege braucht ihre Hilfe, der andere braucht einen Rat und die Nächste möchte sich auf ihre Kosten Urlaub nehmen. Zu allem sagen sie Ja. Und zu sich selbst Nein.
Folgen können Überforderung, lang anhaltender Stress und letztendlich Burn-out sein. Wie Sie sich denken können, ist das nicht nur ein Problem des Pflegemanagements, nein, auch jeder andere „Chef“ kann davon betroffen sein.

Wir sagen nur zu uns selber nein!

Doch warum ist man denn andauernd geneigt zu allem Ja zu sagen, auch wenn es einem selber schadet?
Der griechische Philosoph Aristoteles sagte einst: „Der ideale Mensch verspürt Freude, wenn er anderen einen Dienst erweisen kann“.
Doch wie Sie mit Sicherheit festgestellt haben, ist dieser erlernte Altruismus teilweise sehr schädigend.
Menschen, die besonders kooperativ, immer auf das Wohl anderer bedacht sind und dabei ihr eigenes vergessen werden auch als „People Pleaser“ bezeichnet. Nach dem Big-Five Modell der Persönlichkeit ist die Dimension der „Verträglichkeit“ bei jenen Menschen besonders ausgeprägt.
Die Personen wollen also nirgendwo anecken, negativ auffallen und gehen Konflikten aus dem Weg.
Das Bedenkliche an der Eigenschaft ist, dass die Personen die eigenen Gefühle und Bedürfnisse vernachlässigen.

Tipp:
Denken Sie einmal als Chef daran, welche Wirkung die meist übertriebene Arbeitswut auf Ihre Mitarbeiter und Chef-Kollegen hat. Sie werden emotional unter Druck gesetzt. Nicht der nicht Nein sagen kann ist cool, sondern der selektiv auch einmal Nein sagen kann!

Gefährliche Freude am Helfen

Der Begriff „Helper’s High“ beschreibt die Freude, die man beim Helfen empfindet. In jenen Momenten werden im Körper Endorphine ausgeschüttet, die den Effekt einer Belohnung auslösen.
Dies kann langfristig zu größerer Erfüllung führen, jedoch wenn man sich selbst übernimmt, hingegen unglücklich machen und zu einem Burn-out. Die große Leere entsteht.
Die negativste und stärkste Ausprägung kann das sogenannte „Helfersyndrom“ sein. Der Begriff wurde von dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer geprägt, der die Betroffenen als „hilflose Helfer“ beschreibt.

Pflegekraft als Opferlamm

Die Personen opfern sich selbst auf, um zu helfen, teilweise ohne zu
hinterfragen, ob ihre Hilfe überhaupt von Nöten ist.
Die gute Seite der Pandemie auch die Corona-Pandemie hatte auf diese Thematik Auswirkungen. Viele „People Peaser“ hatten die Möglichkeit, sich mehr Zeit für sich zu nehmen und nicht immer für andere einzuspringen, ohne
dabei einen Konflikt auszulösen. Dazu sagte die Berliner Psychologin und Psychotherapeutin Miriam Junge: „ Viele meiner Klientinnen und Klienten haben erst im Lockdown realisiert, dass sie ein ausgeprägtes Bedürfnis haben, es anderen recht zu machen.“ Somit führte die Zeit bei vielen zu einem Umdenken und einer Veränderung des Lebensstils. Ja, schlimme Zeiten holen meist das aller Beste, aber auch das aller schlechteste aus den Menschen heraus. Jeder von Ihnen hat dazu mit Sicherheit ein paar Beispiele. Nicht wahr?!

Abgrenzung ist positiv
Der bekannte Coach und Leiter der Karriereberater Akademie, Martin Wehrle beschäftigt sich mit dem Thema des gesunden Abgrenzens. Er empfiehlt, nicht nur zu anderen nett zu sein, sondern auch sich selber Gefallen zu tun. Zudem sagt er aus, dass wer sich selbst nicht ernst nehme, könne auch
nicht von anderen ernst genommen werden. Das bedeutet, man sollte sich selbst so behandeln, wie man auch von anderen behandelt werden möchte. Der Schlüssel dazu sei Selbstrespekt. Auch hebt er hervor, dass es nicht nur reiche, die eigenen Grenzen für sich abgesteckt zu haben, sondern diese
müssen die anderen auch sehen können, wenn man möchte, dass jene eingehalten werden.
Doch wie können Sie beginnen Nein zu sagen?
Im Folgenden stellen wir ein paar Inspirationen als Veränderungen vor:
Werden Sie sich bewusst, weshalb Sie immer das Bedürfnis verspüren, „Ja“ zu sagen. Haben Sie Angst vor Konflikten? Haben Sie Angst, nicht mehr genug geschätzt zu werden?
Schreiben Sie sich selbst Ihre alten Glaubenssätze auf, die Sie daran hindern, mal „Nein“ zu sagen.

Stellen Sie sich eine für Sie typische Situation vor, in der Sie immer „Ja“ sagen würde. Was würde passieren und verändert werden, wenn Sie aus Eigenwohl „Nein“ sagen würden? Wie stufen Sie die Konsequenzen für sich ein? Wie würden Sie sich danach fühlen?

Wandeln Sie die alten Glaubenssätze in Neue um, die bspw. Besagen: Es ist in Ordnung, wenn ich etwas nicht möchte.

Hinterfragen Sie, welche Unterstützung, die Sie geben Ihnen schadet und welche Sie selbst ausmachen. Streichen Sie danach die Unterstützungen aus ihrem Leben, die Ihnen schaden.

Planen Sie Ihre Woche so, dass Sie sich nicht überfordert fühlen. Zum Beispiel: Ich arbeite täglich nur bis 17 Uhr.

Hilfsbereitschaft ist eine wunderbare Tugend, die wertgeschätzt werden sollte. Doch sollte man auch sich selbst gegenüber hilfsbereit und wertschätzend sein, denn wenn die eigene Batterie leer ist, können wir auch keinen anderen weiterhelfen.

Fazit:
Aufopferung, Hilfsbereitschaft und Selbstaufgaben können unter bestimmten Umständen schnell für Sie und Ihr Umfeld toxisch werden. Die Schwelle zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern, ist die Aufgabe eines jeden Menschen. An dieser Stelle möchte ich den Bogen zu meinem Blogbeitrag „Ihr
Möglichmacher seit der Grund“ spannen. Genau diese hier beschriebenen Einstellungen machen auch diese Arbeits- und Verhaltensmuster erst möglich. Die Konsequenzen sind dann das Ewige möglich machen von unmöglichen Arbeitsbedingung und die sich nicht oder nur langsam einstellenden Motivation etwas zu verändern. Lesen sie bitte diesen Blogbeitrag im Kontext de beiden hier aufgeführten Blogbeitrage, dann wird Ihnen das eine oder andere deutlicher und Sie können für sich Handlungsmuster erkennen und anpassen!

Viel Erfolg!
Ihr David Thiele